abteitor

Das historische Abteitor

Abteitor um 1900
Abteitor um 1900

Im Jahre 997 wurde auf Veranlassung von Kaiser Otto III. die Abtei Burtscheid als Benediktinerkloster gegründet. Kaiser Heinrich II. übertrug 1018 in einer Urkunde der Abtei einen Zehntbezirk, der genau den Grenzen der späteren Stadt Burtscheid entsprach. Im Jahr 1220 wurde die Benediktinerabtei aufgelöst und in ein von Zisterzienserinnen betriebenes Stift umgewandelt. Unter diesen wandelte sich das Kloster mit der Zeit zum adligen Damenstift, in welchem in erster Linie die Töchter des rheinischen Adels untergebracht wurden.

Die der Abtei vorstehenden Äbtissinen waren Grundfrauen des umliegenden Gebietes. Das Reichsstift war ein kaiserliches, freies, den Römischen Kaisern und dem Deutschen Reiche unmittelbar unterworfenes Stift, dessen jeweilige Äbtissin durch ihren Bevollmächtigten den Reichstagen beiwohnte.

Das Tor zur ehemaligen Abtei Burtscheid wurde im Jahr 1644 unter Henriette Reichsfreiin Raitz von Frentz, Fürstäbtissin der freien Reichsabtei Burtscheid (1639–1674) erbaut. Ihr Wappen ist noch oberhalb des Torbogens zu erkennen. Das Abteitor ist eines der wenigen in Aachen noch erhaltenen Zeugnisse des Baustils der Maas-Renaissance und zeigt einen wirkungsvollen Gegensatz zwischen Blausteingliedern und Backsteinflächen. Im Zuge der Säkularisation unter der napoleonischen Besatzung 1802 wurde das Tor als Abteieigentum verkauft. Die verbliebenen Stiftsdamen erhielten eine Rente und kehrten zum Teil zu ihren Familien zurück. Nur zwei der Stiftsdamen blieben in Burtscheid und wohnten bis zu ihrem Tod im Jahre 1829 bezw. 1830 im Abteitor. Sie stellten aus Pflanzen Salben für Verwundete und Kranke her und fanden trotz ihrer kärglichen Pension noch Mittel, die Armen Burtscheids zu unterstützen. Als 1849 in Burtscheid eine Choleraepidemie ausbrach nutzte Franziska Schervier, Tochter eines Aachener Nadelfabrikanten und Gründerin der Ordensgemeinschaft Arme Schwestern vom Heiligen Franziskus das Abteitor als Spital. In späteren Jahren wurde im Abteitor auch ein Wirtshaus betrieben, nach dessen Wirt namens Jonas das Tor noch heute im Volksmund auch "Jonastor" genannt wird.

Bei dem schweren Bombenangriff auf Burtscheid am 11. April 1944 brannte das Abteitor vollständig aus. Wesentliche Teile der Hauptfassade blieben jedoch erhalten. 1947 wurde schließlich durch einen Lastwagen auch noch der rückwärtige Teil des Torgebäudes schwer beschädigt. Im Jahr 1949 konnte das Abteitor durch Einziehen einer Eisenbetondecke über der Durchfahrt und durch den Einbau von Sicherungspfeilern gestützt werden. Im Jahr 1951 erfolgte dann die komplette Restaurierung. Nach Ergänzung des teilzerstörten Mauerwerks und stilgerechter Wiederherstellung des Walmdaches wurde es für die Aufnahme von fünf Kleinwohnungen hergerichtet. 1978 wurde das Abteitor, dessen Blausteineinfassungen erhebliche Schäden durch Kriegseinwirkung und Witterungseinflüsse aufwies, restauriert. Das Mauerwerk wurde ziegelrot gestrichen. Dieser Anstrich entspricht dem ursprünglichen Zustand und hat in erster Linie eine Schutzfunktion.

In den Jahren 2013/2014 wurde das Abteitor unter Einhaltung des Denkmalschutzes liebevoll und grundlegend saniert.